Umweltbelastungen durch die Erdölförderung

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, woher der fossile Rohstoff für Ihre fossilbasierte Kunststoffverpackung kommt und welche Umweltrisiken die Förderung mit sich bringt?

Bisher sind den Autoren keine öffentlich zugänglichen Öko-Bilanzen im Hinblick auf die verschiedenen Orte und Gewinnungsverfahren der weltweiten Erdöl- und Gas-Förderung bekannt. Es ist jedoch davon auszugehen, dass mit weiter steigender Förderung immer höhere Umweltbelastungen einhergehen. So gelangt Rohöl selbst im Regelbetrieb durch Bohrinseln in die Meere, hinzu kommen Unfälle wie z.B. bei der Ölplattform Deepwater Horizon im Jahr 2010. Weltweit wird von einer Gesamtbelastung der Meere pro Jahr mit drei Millionen Tonnen Roh- und Mineralöl ausgegangen. Außerdem werden große Landflächen durch Pipelinebrüche mit Rohöl, durch das Fracking oder die Ölsandgewinnung belastet und scheiden langfristig für eine landwirtschaftliche Nutzung aus.

Beispielhaft finden Sie hier 8 Hotspots von Umweltauswirkungen durch die Erdölförderung. Wenn nicht anders gekennzeichnet, wurden die Texte aus folgender Quelle erstellt: Öl. Report 2016, Greenpeace e.V., Hamburg

Auswirkungen der weltweiten Erdölförderung

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Auswirkungen der weltweiten Erdölförderung
Offshore-Förderung von Öl aus der Tiefsee USA – Fracking von Schieferöl Kanada – Ölsand In der Arktis Nordsee Niger-Delta (Nigeria) Kriege Russland

Offshore-Förderung von Öl aus der Tiefsee

Im Jahr 2010 war die Ölbohrplattform durch einen Blowout (unkontrolliertes Austreten von Bohrspülung, Erdöl und/oder Erdgas aus einem Bohrloch oder einer Bohr- oder Förderanlage) explodiert und kurz danach gesunken. 87 Tage strömten aus dem Bohrloch in etwa 1500 m Tiefe 4,9 Millionen Barrel (1Barrel =159 L) Öl. Das Bohrloch konnte danach abgedichtet werden. Bis heute sind die ökologischen Folgen für Fauna und Flora nicht absehbar. Ein immer größerer Anteil der neu entdeckten Ölfelder befindet sich im Meer, vor allem im Golf von Mexiko, vor Westafrika und Brasilien. Bei Wassertiefen von 2000 bis 3000 m steigen die Risiken für das Material. Es ist extremen Belastungen ausgesetzt. Fehler lassen sich nur sehr aufwendig und selten kurzfristig korrigieren. Somit birgt diese Form der Erdölförderung hohe Umweltrisiken.

USA – Fracking von Schieferöl

Nach dem Boom, durch Fracking im Schiefergestein Schiefergas (Shale Gas) zu fördern, wird nun verstärkt Schieferöl (Shale Oil) gewonnen, ein hochwertiges leichtes Öl. Dabei wird bis zu 5 km tief in die Erde gebohrt. Unter hohem Druck wird eine Mischung aus Wasser, Sand und Chemikalien gepumpt. Durch Risse im Gestein kann Erdöl u. Erdgas entweichen und an die Oberfläche befördert werden. Nach Wikipedia besteht der Chemikalien-Mix aus teilweise sehr umweltbelastenden Stoffen wie z.B. Bioziden, Salzsäure, Antikorrosionsmitteln, Gelbildner, Reibungsminderer, Lösungsmitteln, Schäumen und Tensiden. Die austretenden Chemikalien können bei Menschen und Säugetieren krebserregend, toxisch und/oder auf den Hormonhaushalt wirken. Verschiedene Gase wie Methan, Butan, Ehan und VOC (flüchtige organische Verbindungen) oder Betex-Aromate (Benzol, Toluol, Ehylbenzol und Xylole) können aus Böden und Gewässern unkontrolliert austreten und so die Böden, Gewässer, Luft und Atmosphäre belasten. .Außerdem kann radioaktives Material aus der Tiefe mitgefördert werden und  das radioaktive Gas Radon austreten. Zudem wird in großem Maßstab Erdgas abgefackelt oder es entweicht direkt in die Atmosphäre. Das Abfackeln von Erdgas trägt zur Versauerung, erhöhten Stickoxid- und Kohlenwasserstoff – und CO2-Emissionen bei. Außerdem steigt die Gefahr von Erdbeben.

Bei den enormen Fracking-Aktivitäten in den USA und in anderen Regionen in der Welt scheiden große Landflächen längerfristig aufgrund der Kontamination von Boden, Wasser und Luft für eine landwirtschaftliche Nutzung aus.

Kanada – Ölsand

In Kanada gibt es weltweit die größten Reserven von Ölsanden. Das Land könnte in wenigen Jahren weltweit an vierter Stelle der Ölproduzenten aufsteigen. Der Abbau der teerartigen Ölsande in der Provinz Alberta ist ähnlich dem Kohletagebau und bringt ganz erhebliche Belastungen für Umwelt und Klima. Die Vorkommen entsprechen der Größe von England und Wales. Derzeit erstreckt sich das Abbaugebiet über 149.000 km2. Diese Flächen werden jeglicher anderer Landnutzung entzogen. Es werden sehr große Mengen von Wasser und Energie benötigt. Anfallende Abwässer sind mit Schwermetallen und anderen schädlichen organischen Stoffen belastet und werden in offenen Auffangbecken gelagert, sickern ins Grundwasser und gelangen in die Gewässer. Diese künstlichen Teiche sind derzeit 23 km2 groß. Die Auswirkungen auf das Klima sind immens: Pro Barrel Öl (1 Barrel = 159 L) werden zwischen 81 und 122 kg CO2 freigesetzt, das ist die drei- bis fünffache Menge wie bei der konventionellen Förderung.

Weitere Ölsand-Lagerstätten befinden sich in Utah (USA), in Venezuela und im Nahen Osten.

In der Arktis

wird durch reguläre Ölförderung der Nordostantlantik verschmutzt. Das geschieht durch ölhaltiges Wasser, das bei der Erölförderung an die Oberfläche kommt (Produktionswasser) und durch Öl- u. Chemikalienrückstände im weiten Umkreis der Bohr- und Förderplattformen. Russische Ölfirmen planen Bohrungen in der Karasee und in der Barentssee. In der Barentsee sind auch norwegische Firmen aktiv.  Es gibt dort unkalkulierbare Risikofaktoren mit den extremen Wetterbedingungen und der langen Dunkelheit. Vor der Küste von Alaska verunglückte der Einhüllentanker Exxon Valdez 1989 und verlor 40.000 t Rohöl im Prince William Sound in Alaska. Folgen waren gravierende Umweltschäden für die Tier- u. Pflanzenwelt und das ganze Ökosystem. Noch heute finden sich am Unglücksort Ölrückstände, die die Umwelt weiter belasten.

Nordsee

2013 wurden von den 757 Offshore- Öl- und Gasförderanlagen 927.000 m3 ölverschmutztes Wasser pro Tag regelkonform ins Meer eingeleitet (lt. OSPAR – Oslo-Paris Kommission). Der gesamte Öl-Eintrag durch Produktions- und Ballast-Wasser betrug 8280 t Öl. Durch Haverien können jährlich weitere 30 bis zu mehreren 100 t Öl ins Meer gelangen Dazu kommen Chemikalien die für die Öl- u. Gasförderung benötigt werden Im Regelbetrieb sind es zwischen 60.000t und 80.000t, darunter PAH (polyzyklische Aromaten). Bei Unfällen gelangen weitere 180 t – 560 t jährlich ins Wasser. Dazu kommen weitere Emissionen, die in die Luft gelangen, u.a. Co, Stickoxide, Methan, Schwefeldioxid und weitere Abgase aus der Energiebereitstellung. Die Erdölförderung in der Nordsee wird von den staatlichen Behörden über die OSPAR überwacht.

In dieser Region werden ca 170 Mio t Öl/Jahr gefördert..

Niger-Delta (Nigeria)

Im Jahr 2008 sollen ca 500.000 Barrel Öl (68.000 t), andere Quellen sprechen von bis zu 311.000 Barrel aus alten, geborstenen Pipelines ausgeflossen sein. Große Gasfackeln verbrennen anfallendes Gas – was zur Versauerung beiträgt und zu klimatischen und gesundheitlichen Schäden führt. Bei einer Erhebung der Emissionen der Ölindustrie nach Region und Aktivität stand Nigeria im Jahr 2009 weltweit an erster Stelle gefolgt von Ölsand aus Kanada. Ein Teil des geförderten Öls wird nach Westeuropa exportiert.

2011 stellt der UNEP-Bericht ((United Nations Environment Programme) ‘Environmental Assessment of Ogoniland’ fest, dass durch Leckagen von Pipelines im Laufe von 40 Jahren eine Fläche von 1.000 Km2 mit Öl kontaminiert wurde, z.T. bis in eine Tiefe von 5 m. Böden sind somit längerfristig für die Landwirtschaft nicht mehr nutzbar, ebenso wenig wie das Trinkwasser.

Kriege

Im Kuweitkrieg 1991 wurden durch Angriffe irakischer Truppen 500 bis 2000 Millionen Barrel (1 Barrel = 159 L) Öl freigesetzt. Diese verbrannten zum Teil, bildeten Ölseen, oder flossen in den Persischen Golf.

Es gibt weltweit sehr viele Konflikte um Erdölvorkommen. Außerdem gibt es bedingt durch den großen Reichtum durch Erdölvorkommen zahlreiche Staaten, in denen es erhebliche Verstöße gegen Menschenrechte gibt. Die humanen Auswirkungen können nicht ansatzweise eingeschätzt werden. 

Laut einer Einschätzung von Spiegel-online vom 17.6.2015 wurde für 2014 die Anzahl der Toten auf 200.000 und die Kosten der Kriege auf 14 Billionen Dollar beziffert.

Russland

Im Jahr 2011 gab es weit über 10.000 Pipelinebrüche in den russischen Förderregionen mit Umweltauswirkungen. Die Pipelines sind über 30 Jahre alt und teilweise extremen Witterungsbedingungen ausgesetzt und reparaturbedürftig. Schätzungsweise 500.000 t Öl gelangen über die Böden durch russische Flüsse in den Arktischen Ozean. Außerdem setzen die russischen Öl-Konzerne Frackingmethoden in älteren Ölfeldern ein, um die Ölausbeute zu erhöhen. Dabei wird bis zu 5 km tief in die Erde gebohrt. Unter hohem Druck wird eine Mischung aus Wasser, Sand und Chemikalien gepumpt. Durch Risse im Gestein kann Erdöl u. Erdgas entweichen und an die Oberfläche befördert werden. (Quelle: https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/rohstoffe/grosse-oel-schaetze-im-eiskalten-sibirien/ )

Der Mix aus Chemikalien mit z.T. sehr umweltbelastenden Stoffen (z.B. Bioziden, Salzsäure, Antikorrosionsmitteln, Gelbildner, Reibungsminderer, Schäume, Tenside….) kann dabei Böden und Grundwasser belasten. Verschiedene Gase wie Methan und VOC (flüchtige organische Verbindungen) können aus Böden und Gewässern unkontrolliert austreten und diese und die Atmosphäre belasten. (siehe auch USA- Fracking von Schieferöl)